Im Blogbeitrag des letzten Monats haben wir uns damit beschäftigt, was mit dem Wissen im Farbmischraum passiert, wenn erfahrene Fachkräfte das Unternehmen verlassen. Dabei haben wir erläutert, wie ein effektiver Onboarding-Prozess aussehen sollte, um jahrelange Erfahrung zuverlässig an die nächste Generation von Druckmaschinenbedienern weiterzugeben. Doch wir sollten einen Schritt zurücktreten und uns fragen: Was passiert, wenn wir gar keine neuen Talente finden, an die dieses Wissen weitergegeben werden kann?
Aktuelle Studien zeigen immer wieder, wie schwerwiegend der Fachkräftemangel in der Druck- und Verpackungsindustrie in vielen Regionen der Welt ist. In den USA stellte der Branchenverband PRINTING United Alliance fest, dass 75 % der Druckunternehmen Schwierigkeiten haben, qualifiziertes Personal zu finden. In Deutschland ergab eine Umfrage von Heidelberg und der FAZ, dass Personalmangel die größte operative Herausforderung für kleine und mittlere Druckereien darstellt.
Wenn diese Rekrutierungsprobleme anhalten, riskieren Druckunternehmen den Verlust wertvollen Fachwissens und technischer Kompetenzen. Gleichzeitig wird es schwieriger, Produktionskapazitäten aufrechtzuerhalten und Liefertermine einzuhalten.
Deshalb werden wir in diesem Monat im InkConnection-Blog:
- Die Folgen eines Mangels an neuen Fachkräften näher beleuchten.
- Untersuchen, wo die Druckindustrie potenzielle Talente verliert.
- Tipps geben, wie die nächste Generation für eine Karriere in der Druckindustrie begeistert werden kann.
Für diese Ausgabe hat GSE mit Studierenden sowie lokalen Bildungsinitiativen gesprochen, um herauszufinden, wie sich die nächste Generation von Farbmischraum-Operatoren besser gewinnen lässt.
Warum Sie diese Entwicklung nicht ignorieren können
Schwierigkeiten bei der Gewinnung neuer Mitarbeitender können schnell zu einem Teufelskreis führen, in dem Personalmangel, sinkende Leistung und schlechte Arbeitsmoral sich gegenseitig verstärken. Laut einer von HR Drive zitierten Umfrage entscheiden rund 80 % der Beschäftigten der Generation Z innerhalb der ersten 60 Tage, ob sie in einem Unternehmen bleiben werden.
Wenn neue Mitarbeitende frühzeitig kündigen, gehen die in ihre Einarbeitung investierte Zeit und Ressourcen verloren. Offene Stellen bleiben unbesetzt, was wiederum zu Produktionsausfällen führen und die Belastung der vorhandenen Mitarbeitenden erhöhen kann. Dadurch steigt das Risiko weiterer Fluktuation.
Langfristig kann dieser Kreislauf die Produktionskapazität verringern, Lieferzeiten verlängern und die Kundenzufriedenheit beeinträchtigen. Zudem wird das Unternehmenswachstum erschwert, da es immer schwieriger wird, qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen und langfristig zu binden.
Wo verliert die Druckindustrie potenzielle Talente?
Fragt man Studierende technischer Fachrichtungen nach ihrer Vorstellung eines Farbmischraums, denken viele an manuelle Mischstationen in einer schmutzigen und unübersichtlichen Umgebung, mit farbverschmierten Maschinen, herumstehenden Behältern, rutschigen Böden und dem Geruch von Lösungsmitteln.
Demgegenüber stehen makellose Reinräume und hochpräzise Robotik in nahezu futuristischen Hightech-Fertigungsanlagen, wie sie in zahllosen Online-Videos zu sehen sind. Es ist leicht nachvollziehbar, welche Umgebung auf die Ingenieure und Techniker von morgen attraktiver wirkt.
Was viele jedoch nicht sehen, ist eine Druckindustrie, die von technologischen Innovationen und Automatisierung geprägt ist. Im modernen Farbmischraum verbringt niemand mehr die Hälfte seiner Schicht damit, Eimer zu reinigen oder Farbgenauigkeit mithilfe gedruckter Referenzbücher zu überprüfen. Stattdessen kommen moderne Lösungen wie die automatischen Eimerwaschanlagen und Farbkorrektursoftware von GSE zum Einsatz.
Das Bildungswesen vergisst die Druckindustrie
Früher gab es spezialisierte Ausbildungsstätten für die Druckindustrie, wie die London School of Printing and Graphic Arts, die heute als UAL London College of Communication bekannt ist. Diese Einrichtungen bereiteten ihre Studierenden gezielt auf Berufe in der Druckbranche vor.
Heute haben sich die Schwerpunkte dieser Institutionen erweitert und konzentrieren sich zunehmend auf Themen wie Grafikdesign, Animation und Medien.
Mit dem Rückgang der Nachfrage nach druckspezifischen Ausbildungen ist auch das Angebot entsprechender Lerninhalte zurückgegangen. Dadurch werden neue Mitarbeitende häufig ohne das notwendige Wissen eingestellt, um sich schnell und effizient in den Farbmischraum zu integrieren.
Das Verschwinden maschinenbezogener Ausbildungsprogramme trägt wesentlich dazu bei, dass die Druckindustrie von Studierenden seltener als attraktive und zukunftsfähige Karriereoption wahrgenommen wird.
Wie GSE junge Talente erreicht
Die Gewinnung neuer Talente ist eine kontinuierliche Aufgabe. Um mit potenziellen zukünftigen Mitarbeitenden in Kontakt zu treten, nimmt GSE an verschiedenen Veranstaltungen teil und engagiert sich in Initiativen, die die Lücke zwischen Bildungseinrichtungen und Industrie schließen. Wir empfehlen jedem Unternehmen, das neue Talente gewinnen möchte, einen ähnlichen Ansatz.
Karrieremessen – Der Kontakt zu lokalen Hochschulen und die Teilnahme an Karrieremessen sind hervorragende Möglichkeiten, um direkt mit der nächsten Generation von Fachkräften in Kontakt zu kommen. In diesem Monat nahm GSE an der HAN ACE Mobility Automotive & Engineering Career Fair teil, wo wir unsere Technologien präsentierten und mit Studierenden sprachen, die nach Praktika im Ingenieurwesen suchten.

Bildungsinitiativen – Auch die Beteiligung an lokalen Bildungsprojekten ist eine hervorragende Möglichkeit, junge Menschen frühzeitig mit unserer Branche vertraut zu machen. Unsere Gespräche mit Studierenden zeigen, dass viele stärker an den Fähigkeiten interessiert sind, die sie entwickeln möchten, als an einer bestimmten Branche.
GSE ist kürzlich der Initiative Tech-Tok beigetreten, einem niederländischen Bildungsprojekt, das Kinder im Alter von 10 bis 14 Jahren für Technologie und Ingenieurwesen begeistern soll. Die Lernpakete helfen Kindern, technische Fähigkeiten wie Programmieren auf spielerische und leicht zugängliche Weise zu erlernen. Darüber hinaus entwickelte Tech-Tok eine Vorbild-Datenbank, in der junge Menschen Fachkräfte kennenlernen können, die einen ähnlichen Hintergrund oder Bildungsweg haben.

Neue Technologien sichtbar machen – Investitionen in neue Technologien und deren aktive Präsentation sind entscheidend, um die technologieaffine Generation von heute zu begeistern. GSE beteiligt sich inzwischen an einem lokalen Lernnetzwerk für humanoide Robotik und investierte gemeinsam mit anderen Unternehmen in zwei humanoide Roboter.
Roboter können routinemäßige, repetitive und zeitaufwändige Aufgaben übernehmen, sodass Mitarbeitende sich auf Tätigkeiten konzentrieren können, die mehr Fachwissen, Urteilsvermögen und Kreativität erfordern. Die Präsentation solcher Technologien macht unsere Branche nicht nur attraktiver für neue Talente, sondern verdeutlicht auch, dass Unternehmen ihren Mitarbeitenden Möglichkeiten zur Weiterentwicklung und Wertschöpfung bieten.
Wie begeistert man die neue Generation?
Die Bedürfnisse unserer Kunden zu verstehen, gehört für uns zum Alltag. Warum sollte dasselbe nicht für die Menschen gelten, die wir einstellen möchten?
Da die Generation Z mit sozialen Medien und ständig verfügbarem Zugang zu Informationen aufgewachsen ist, hat sie andere Prioritäten als frühere Generationen.
Für diese Generation ist ein Job mehr als nur eine Einkommensquelle. Sie möchten etwas Sinnvolles aufbauen, sei es durch gute Beziehungen zu Kolleginnen und Kollegen, eine gesunde Work-Life-Balance oder das Gefühl, einen positiven Beitrag zur Gesellschaft zu leisten.
Wichtig ist auch zu verstehen, dass junge Menschen heute in einer Welt voller Technologie aufwachsen. Wer sich für eine Karriere in der Fertigungsindustrie interessiert, sieht technologische Entwicklungen und denkt oft: „Daran möchte ich mitarbeiten!“
Genau hier haben Nischenbranchen wie die Druckindustrie die Chance, eine große Gruppe potenzieller Talente anzusprechen.
Einer der faszinierendsten Aspekte der Druckindustrie ist ihr sichtbarer Einfluss auf unseren Alltag. Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, dass Druckprodukte überall präsent sind. Ein einfacher Spaziergang durch den Supermarkt zeigt, wie allgegenwärtig Druck ist. Wir nehmen ihn nur oft nicht mehr bewusst wahr, weil er ein selbstverständlicher Teil unseres täglichen Lebens geworden ist.
Vielen Dank, dass Sie diesen Monat den InkConnection-Blog gelesen haben! Wenn Sie wissen möchten, wie wertvolles Wissen im Farbmischraum erhalten werden kann, empfehlen wir Ihnen unseren vorherigen Blogbeitrag. Und bleiben Sie gespannt auf den nächsten Beitrag, in dem wir erläutern, wie Standardisierungs- und Automatisierungslösungen helfen können, die Abhängigkeit von manuellen Routinetätigkeiten zu verringern und mit weniger Ressourcen mehr zu erreichen.







